„Herr Lehrer, können wir uns dieses Youtube-Video mal gemeinsam in der Klasse anschauen?“. Die Antwort auf diese Frage kann in einigen EU-Ländern tatsächlich so ausfallen: „Ich würde das gerne mit euch schauen, aber es ist leider nicht legal – das dürfte ich nur im EU-Nachbarland.“ Ein weiteres schönes Beispiel: Das Abspielen von urheberrechtlich geschützten Musikstücken im Unterricht:

In vielen Ländern ist das Abspielen eines Musikstücks im Unterricht erlaubt, in einigen wenigen wie Spanien aber eben nicht.

Beispiel für die unterschiedlichen Gesetze in EU-Ländern: Musik im Unterricht (CC0 Lizenz)

Die Initiative und Kampagne #rightcopyright kämpft u.a. wegen dieser Absurdität für mehr Freiheiten im Bildungsbereich und setzt sich für folgende Ziele ein:

  • „Wir möchten, dass Sie die Freiheit haben, zu unterrichten, ohne das Gesetz zu brechen.
  • Wir wollen, dass Sie Materialien verwenden können, die auf unvoreingenommene Weise Geschichten erzählen.
  • Wir wollen die gleichen Freiheiten für alle Pädagogen in der EU.
  • Wir wollen ein Gesetz, das Ihnen erlaubt, die digitalen Möglichkeiten nutzen, die heutzutage zur Verfügung stehen.
  • Wir wollen ein Gesetz, das die pädagogische Funktion von Museen, Bibliotheken und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) anerkennt.

Wer sich diesen Zielen anschließen möchte, kann auf rightcopyright.eu die Petition unterschreiben bzw. sich näher über Ziele und die Initiatoren informieren. Auf der OER17 Konferenz in London wurde die Kampagne in einer Präsentation vorgestellt, die aufgezeichnet wurde: Youtube-Video: Talk rightcopyright (ab 37:05)

Studie: Teachers and modern educational practises

Im Rahmen der Kampagne wurde ebenfalls eine kleine Studie angefertigt: Creator, rebel, guardian, unsuspecting user. Teachers and modern educational practices (PDF). Im Team unter der Leitung von Prof. Dr. Friederike Siller und Friederike Paas haben wir für Deutschland Interviews mit Lehrer*innen geführt für diese Studie. Mein persönlicher Eindruck hierbei: Die Beschäftigung mit Urheberrechtsgesetzen und deren Auslegungen ist im Schulkontext unumgänglich, wenn (in welcher Form auch immer) Medien bzw. Online-Inhalte genutzt oder produziert werden. An vielen Stellen gibt es große Unsicherheiten, die im schlimmsten Fall zur Nichtnutzung führen. Daher habe ich die Petition #rightcopyright unterzeichnet.

In Deutschland wird derzeit übrigens auch das neue Gesetz Urheberrecht für Bildung Wissenschaft diskutiert, welches am 1. März 2018 in Kraft treten soll. Nähere Infos finden sich bei irights.info:

Creative Commons Lizenzvertrag Gerne weiterverwenden! Dieser Artikel (Text) ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. Der Urheber soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Matthias Andrasch. Urheberrechtliche Angaben zu Grafiken, Videos oder anderen verwendeten Inhalten finden sich meist direkt bei den jeweiligen Inhalten. Titelbild des Beitrags: Comunia, CC0 Lizenz.